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Tipps & Tricks

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Figurencharakterisierung

Juli 9, 2015 • von

Was ist es, das uns am meisten im Gedächtnis bleibt, wenn wir an ein gelesenes Buch denken? Oft sind es die Charaktere, die einem als Erstes in den Sinn kommen, bevor man sich an die Handlung der Geschichte erinnert. Deshalb möchte ich in diesem Blogpost auf die Figurencharakterisierung eingehen.

Oft sind es die Figuren eines Romans, die über dessen Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Aus diesem Grund sollte man sich beim Schreiben einer Geschichte besonders um die Charakterisierung der Figuren kümmern.
Die Charaktere müssen glaubwürdig sein, zur Handlung passen und sollten während der Geschichte eine Entwicklung durchmachen. Es gibt nichts Schlimmeres und Langweiligeres als starre Figuren, die nicht über sich hinauswachsen. Machen die Figuren jedoch eine Veränderung durch, die den Leser fesselt und Emotionen weckt, bleibt automatisch auch die Geschichte spannend.

Doch was sind gute Figuren?

Für die Erstellung von spannenden Charakteren gibt es kein Patentrezept. Doch es gibt einige Tipps, an die man sich halten kann, damit die Figuren stimmig sind und sich der Leser in sie hineinversetzen kann.

1. Die Hauptfigur muss ein Ziel haben. Durch das Verfolgen des Ziels gerät die Figur dann in Konflikte mit der Außenwelt, mit dem eigenen Inneren, mit einem Gegenspieler etc. So kommt die Geschichte ins Rollen, bis der Charakter das Ziel am Ende erreicht.

2. Der Charakter muss glaubwürdig sein. Seine Handlungen müssen zu seinen inneren Motiven passen. Dazu gehört auch, dass der Plot und die Figurencharakteristik aufeinander abgestimmt werden. Hier kann es hilfreich sein, die Motivation des Charakters in Gedanken nachzuvollziehen und dort mitzuerleben. Wenn man selbst es dann als plausibel erachtet, werden auch die Leser den Handlungsverlauf nachvollziehen können.

3. Auch die äußeren Merkmale, das Verhalten und die Sprache sollten das Innere der Figur widerspiegeln. Hilfreich dafür ist es, sich immer wieder zu fragen, ob die Eigenschaften wirklich zur entworfenen Figur passen. Wenn hier alles stimmig ist, kann der Leser Rückschlüsse auf die Herkunft, den Bildungsstand und die Erziehung der Figur ziehen, ohne dass diese konkret in der Geschichte genannt werden müssen.

4. Unbedingt Klischees vermeiden. Für Leser gibt es nichts Uninteressanteres als ausgelutschte Figurencharakterisierungen. Beispiele dafür sind der Zigarre rauchende Bankdirektor, der heruntergekommene Privatdetektiv, der draufgängerische Abenteurer … Ein komplexer Charakter, der Überraschungen bereit hält und dennoch glaubwürdig erscheint, ist hier die eindeutig bessere Wahl.

5. Um eine Figur in den Roman einzuführen, sollte man es unbedingt vermeiden, eine seitenlange Aufzählung über die Eigenschaften und Vorgeschichte der Figur herunter zu beten. Die Details sollten nach und nach in die Geschichte einfließen, so als ob man einen realen Menschen kennenlernen würde. Denn kein fremder Mensch würde uns beim ersten Kennenlernen seine komplette Lebensgeschichte erzählen. Dennoch sollte der Leser die Figur bereits gut genug kennen, bevor man ein emotionales Ereignis wie einen Unfall stattfinden lässt, denn sonst kann der Leser ihr kein Mitgefühl entgegenbringen.

Was man über seine Figuren wissen sollte

– Name (dieser sollte zur Figur passen)
– Geschlecht, Alter etc.
– äußere Erscheinung
– sprachliche Eigenschaften (Dialekt, Wortschatz, Lieblingswörter etc.)
– Stärken und Schwächen
– Ängste
– Bildungsstand
– Beruf
– Familie und Herkunft
– Gestik
– Hobbys, Gewohnheiten
– Ansichten und Überzeugungen
– etc.

Diese Liste kann beliebig ergänzt werden. Es ist jedoch nicht bei jeder Figur zwingend notwendig, alle Punkte abhaken zu können. Doch je mehr man über seine Figur weiß, desto authentischer wirkt sie.

Verschiedene Figurentypen

Nicht jede Figur, die in einer Geschichte auftaucht, muss bis ins kleinste Detail entwickelt werden. Die verschiedenen Figuren bekleiden unterschiedliche Rollen in der Geschichte. Hier unterscheidet man zwischen: Platzhalter, Nebenfigur, Protagonist und Antagonist.

Platzhalter können mit Statisten in einem Film verglichen werden. Meist tauchen sie nur ein einziges Mal auf und brauchen daher keine abgerundeten Charaktere zu sein. Platzhalter eignen sich besonders dazu, das Setting einer Szene zu gestalten, also das Milieu, den Ort oder die Atmosphäre.

Nebenfiguren spielen schon eine wichtigere Rolle und sollten dementsprechend etwas ausführlicher gestaltet werden. Sie brauchen keine Vergangenheit zu besitzen und dürfen relativ eindimensional sein. Dennoch benötigen sie ein aussagekräftiges Profil, denn der Leser muss wissen, wer und wie sie sind, damit er sie im späteren Verlauf der Geschichte auch wiedererkennt. Nebenfiguren dürfen im Verlauf der Handlung eine Entwicklung durchmachen, diese sollte jedoch nicht so tiefgreifend sein, wie bei der Hauptfigur.

Der Protagonist steht im Mittelpunkt der Erzählung. Als Autor sollte man so viel wie möglich über diese Figur wissen. Die Hauptfigur macht im Laufe der Geschichte eine tiefgreifende Entwicklung durch, die die Handlung vorantreibt. Sie sollte Sympathie, Neugier oder zumindest Interesse des Lesers wecken, aber auch Fehler, Schwächen und unsympathische Charakterzüge aufweisen. Hier kommt es darauf an, die positiven und negativen Eigenschaften gut zu verteilen.

Der Antagonist ist der Gegenspieler der Hauptfigur. Er kommt der Hauptfigur beim Versuch, ihr Ziel zu erreichen, ständig in die Quere. Auch ihn sollte man als Autor möglichst gut kennen. Er braucht eine Vorgeschichte sowie eine einleuchtende Erklärung, warum er so geworden ist. Der Antagonist kann der klassische Bösewicht sein, es kann sich aber auch um »die Gesellschaft« oder um einen Kampf handeln, der sich im Inneren der Hauptfigur abspielt. In diesem Fall wäre sein Gegenspieler eine bestimmte Angst, Schwäche oder Sucht. Das Kräfteverhältnis zwischen Antagonist und Protagonist sollte in etwa gleich sein, damit die Widerstände nicht so leicht überwunden werden können.

Nun wünsche ich euch mithilfe der Tipps viel Spaß beim Kreieren eurer Figuren!

Eure Verena


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Metaphern und sprachliche Bilder

Juni 7, 2015 • von

Metaphern sind so etwas wie magische Schlüssel in der Literatur. Sie öffnen die Pforten zu neuen Welten, bieten den Lesern Einblicke in Mysterien, bringen sie zum Staunen und zum Lachen und lassen sie alles um sich herum vergessen.

Um Klischees und veraltete sprachliche Bilder zu vermeiden, habe ich euch hier einige Methoden zur Metaphernbildung und Hinweise für ihren Gebrauch zusammengestellt. Damit könnt ihr euch ganz einfach eure eigenen Metaphern erschaffen.

1. Die Verwendung von Metaphern

Eine Metapher ist ein sprachliches Bild, sie ist nicht wörtlich zu verstehen und verknüpft ein Bild mit etwas anderem auf eine Weise, die wörtlich genommen unmöglich ist. Dadurch lässt sich mit einer Metapher auf engstem Raum viel mehr sagen, als es mit der konventionellen Sprache möglich wäre. Außerdem werden die Sinne der Leser angesprochen, da Metaphern mit Sinneseindrücken arbeiten. Sie beziehen den Leser mit ein, denn er muss die Bilder verstehen und interpretieren.

Doch Vorsicht, zu viele Metaphern in einem Text hemmen seine Lesbarkeit. Wenn der Leser permanent damit beschäftigt ist, sich die Bilder vorzustellen und sie in einen Zusammenhang zu bringen, dann kann er sich nicht mehr auf die Handlung konzentrieren. Deshalb lautet mein erster Tipp: Weniger ist mehr!

Bei der Auswahl der Metaphern sollte man sich zudem vor Klischees hüten, also vor toten Bildern, die früher einmal originell waren. Sie wurden so häufig genutzt, dass sie in unseren Sprachgebrauch eingegangen sind und deshalb langweilig wirken. Ein Beispiel hierfür wäre: »Im Geld schwimmen.« Dieses Bild ist uns so vertraut, dass es keine starke Aussagekraft mehr hat. Viel besser ist es, eigene Bilder zu entwickeln. Und das schauen wir uns jetzt an.

2. Metaphernbildung

Wenn man eine Textstelle mit einem sprachlichen Bild aufwerten möchte, geht dies am besten, indem man eigene Metaphern erschafft. Die einfachste Methode, um Metaphern zu entwickeln, ist der sogenannte Metaphernbaukasten. Hierfür legt man eine Liste an und sammelt auf der einen Seite aussagekräftige Attribute (wie ist etwas) und auf der anderen Seite Subjekte. Wenn man eine Metapher für eine ganz bestimmte Situation sucht, dann sammelt man am besten Attribute und Subjekte, die gezielt dazu passen. Beispiele hierfür sind:

Attribute (Bildspender): vollgetankt, abgewrackt, verdorrt, hirnverbrannt …
Subjekte (Bildempfänger): Mensch, Vertrauen, Freundschaft, Blick, Schweigen …

Danach mischt man die Attribute und Subjekte und schaut, welche Konstellation am besten zur Situation passt, die man beschreiben möchte, und schon hat man sein eigenes sprachliches Bild erschaffen.

3. Andere sprachliche Bilder

Die Bildung einer Analogie bietet eine weitere Möglichkeit, Metaphern zu erschaffen. In einer Analogie werden zwei sich ähnelnde Dinge zusammengefügt. Diese Ähnlichkeit muss entweder in der Form, der Beschaffenheit oder der Funktionsweise liegen. Ein Beispiel hierfür ist: »Deine Augen sind Sonnen.« Hier liegt die Ähnlichkeit in der Funktionsweise. Auge und Sonne können beide »strahlen«. Es gibt unzählige Analogien, die man so finden kann.

Auch Symbole sind in der Literatur kaum wegzudenken. Ein Symbol ist ein konkretes Sinnbild, das über sich hinausweist und eine allgemeine Bedeutung besitzt, die von vielen Menschen verstanden wird. Beispielsweise wird der Ehering als Symbol der Liebe betrachtet und ein Rabe als Symbol für den Tod.

Es gibt jedoch auch Symbole, die der Leser nicht sofort versteht, die er also erst mit Deutungen und Assoziationen füllen muss. Ein Beispiel hierfür ist die zusammengewürfelte Schiffsmannschaft in Herman Melvilles Roman »Moby Dick«, welche die gesamte menschliche Gesellschaft repräsentiert.

Habt ihr auch schon einmal eigene Metaphern für eure Geschichten erschaffen? Schreibt mir doch hierzu eine Nachricht! Ich freue mich, von euch zu hören.

Eure Verena


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Der erste Satz

Mai 24, 2015 • von

Wenn ich ein neues Buch aufschlage, lege ich viel Wert auf den Anfang der Geschichte. Der erste Satz ist wie der erste Eindruck, den man von einem fremden Menschen gewinnt. Deshalb sollte er mich von Anfang an in seinen Bann ziehen und in die unbekannte Welt hineinlocken.

»Erste Sätze sind Türen zu Welten« Ursula K. Le Guin

Es gibt verschiedene Mittel, den ersten Satz einer Geschichte zu beginnen. Einige möchte ich euch hier zeigen.

1. Der klassische Einstieg: Hier tritt der Erzähler dem Leser Auge in Auge gegenüber. Er spricht ihn direkt an und gibt somit einiges über sich preis. Zugleich werfen die Sprache, der Tonfall, die Situation oder die Figuren erste Fragen auf, die zum Weiterlesen verführen.

2. Der Dialog führt direkt in die Geschichte hinein. Durch einen Dialogeinstieg sind die Figuren sofort präsent und dennoch bleibt die Situation geheimnisvoll. Um mehr zu erfahren, muss man weiterlesen.

3. Man wird kopfüber in die Geschichte geworfen. Durch solch einen Einstieg stürzt man den Leser direkt in die unbekannte Welt. Er lernt die Figurenkonstellation kennen und erhält einen ersten Ausblick auf den zu erwartenden Konflikt. Die Situation kann zudem auch geheimnisvoll geschildert werden, sodass man weiterlesen möchte.

4. Die Geschichte beginnt mit einer verblüffenden oder provozierenden Aussage. Dadurch wird zwar nicht direkt in die Geschichte eingeführt, aber man eröffnet dem Leser die Thematik. Auch durch eine Vorausdeutung des Erzählers, bspw. auf ein bevorstehendes Unglück, entsteht Spannung.

5. Man kann die Geschichte auch mit einem Rätsel beginnen. Der Leser kann sich dadurch noch kein Bild von der unbekannten Welt machen, sein Interesse sollte aber geweckt worden sein.

Ich hoffe, es waren einige hilfreiche Tipps für euch dabei. Gerne könnt ihr mir schreiben, welchen Einstieg ihr am liebsten mögt. Ich freue mich, von euch zu hören.

Eure Verena


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Der Feind eines jeden Schriftstellers – Schreibblockaden

April 24, 2015 • von

Überall, wo geschrieben wird, ist sie gefürchtet: die Schreibblockade. Wenn einem plötzlich nichts mehr einfällt und erste Versuche gleich ins Leere laufen, herrscht rundherum Verzweiflung. Doch an einer Schreibblockade zu leiden, heißt nicht, dass man unfähig ist. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, geht es jetzt darum, die Gründe herauszufinden und Lösungen zu suchen. Die folgenden Tipps sollen euch dabei helfen.

Ursachenforschung

Wer beim Schreiben feststeckt, sollte sich auf die Suche nach den Ursachen begeben. Ich habe euch hier einige Gründe und deren Lösungsvorschläge zusammengestellt, die euch dabei helfen können, die Schreibblockade zu überwinden.

1. Druck wirkt auf viele Autoren wie ein lähmendes Gift. Egal ob es sich um Zeitdruck handelt oder um Druck, den sich der Autor selbst macht. Letztendlich muss jeder für sich selbst herausfinden, mit wie viel Druck er klarkommt. Doch oft hilft es bereits, sich am Anfang einen realistischen Arbeitsplan zu machen, den man dann Punkt für Punkt abarbeitet. Wenn man den Plan zusätzlich in kleine Schritte unterteilt, nimmt das bereits eine Menge Druck.

2. Das Nicht-anfangen-Können: Sicher kennt ihr das. Ihr habt eine Idee für eine Geschichte, doch ihr wisst einfach nicht, wo ihr anfangen sollt. Hier ist es hilfreich, so zu tun als ob. Tut so, als würdet ihr einem Freund von eurer Idee erzählen. Schreibt dazu einen fiktiven Brief. Auch ein Tagebucheintrag ist möglich. Schreibt dann alles auf, was euch zu eurer Idee einfällt, was ihr bereits über die Geschichte, zu den Figuren und über die Textart wisst. Oft klärt sich in diesem Prozess bereits einiges und man kann ohne Probleme loslegen.

3. Manchmal ist man auch einfach nicht in der Stimmung, obwohl man schreiben sollte. In diesem Fall hilft es, sich warm zu schreiben. Dazu sind vor allem Schreibübungen geeignet. Zahlreiche Beispiele dazu findet ihr hier. Ihr könnt auch mit einem Mindmap beginnen, in dem ihr euch Notizen zu eurem Text macht. Kleine Rituale können ebenfalls helfen, in die richtige Schreibstimmung zu kommen. Einige Autoren schwören auf Musik, die sie sich vor dem Schreiben anhören. Anderen hilft es, das Lieblingsbuch in die Hand zu nehmen und darin zu lesen, bevor es ans Schreiben geht. Solange es euch hilft, ist alles erlaubt.

4. Der falsche Ort: Wie ist es um eure Schreibumgebung bestellt? Eine Umgebung, die dreckig oder unaufgeräumt ist und vielleicht sogar müffelt, wird sich nicht gerade positiv auf eure Kreativität auswirken. Macht es euch an eurem Schreibtisch (oder wo auch immer ihr schreibt) deshalb so bequem wie möglich. Außerdem solltet ihr darauf achten, dass ihr beim Schreiben keiner Ablenkung ausgesetzt seid, damit ihr euch voll und ganz auf eure Texte konzentrieren könnt.

5. Zu hohe Erwartungen an sich selbst oder den eigenen Text zu stellen, kann ebenfalls in einer Schreibblockade enden. Macht euch klar, dass niemand (nicht mal ein Bestsellerautor) beim ersten Niederschreiben einen perfekten Text verfasst. Jeder Text braucht Überarbeitung. Macht euch also nicht verrückt, wenn es darum geht, eine erste Fassung zu schreiben. Schreibt einfach alles auf, was euch einfällt. Überarbeiten könnt ihr es später immer noch.

Dies waren nur einige Gründe, die zu Schreibblockaden führen können. Ich hoffe, es waren einige hilfreiche Tipps für euch dabei. Gerne könnt ihr mir schreiben, ob es euch auch schon einmal so gegangen ist und wie ihr das Problem gelöst habt. Ich freue mich, von euch zu hören.

Eure Verena